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Klaus F. Maas

"This is too fast. I can't understand a word!"

Wenn Ihnen diese beiden Aussagen zu Beginn der medialen Übertragung einer Listening Comprehension Übung entgegen schallt, dann ist dies mit Sicherheit nicht der Lustschrei der Lustlosen, sondern eher der Angstschrei der sich überfordert fühlenden Schüler.
Um die Ängste vor dem Neuen, dem mit normaler Sprechgeschwindigkeit Gesprochenen abzubauen, muss ich als Lehrer zuerst wissen, wie Gehör und Gehirn beim Hören und Verstehen funktionieren.

1. Hören

Die Ohren haben drei besonders interessante Eigenschaften:

   Man kann sie nicht verschließen wie die Augen und

    können sich der Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit ihrer Umgebung anpassen wie die Augen an Helligkeit oder Dunkelheit.

Diese letzte Eigenschaft fiel mir auf, als ich in den 70er Jahren die Mutterbänder eines audio-visuellen Kurses kopierte und je eine Unit auf einem Band vereinigte, damit jeder Lehrer eine Kopie für seinen Unterricht zur Verfügung hatte und kein Umspulen nötig war. Ich benutzte die "Dubbing"-Funktion beim Aufnehmen, um die Aufnahmezeit zu verkürzen, musste jedoch aufpassen, wann die Unit zu Ende war, um die Aufnahme zu stoppen.

Mir fiel auf, dass sich meine Ohren schnell an die Micky-Mouse-artige Sprechgeschwindigkeit gewöhnten und ich die Texte auch bei doppelter Geschwindigkeit gut verstehen konnte. Wenn ich mir dann zur Kontrolle das Ergebnis der Aufnahme bei normaler Geschwindigkeit anhörte, hatte ich den Eindruck, als hätten native speakers besonders langsam gesprochen. Hörte ich mir am nächsten Tag den Text in der Klasse erneut an, erschien er mir wieder normal zügig gesprochen.

Ein und derselbe Text konnte also einmal schnell und einmal langsam gesprochen erscheinen,
je nachdem wie schnell etwas vorher gesprochen wurde.

   Das Hören der Lautstärke hängt vom individuellen Hörvermögen ab.

Viele der heutigen Kinder und Jugendlichen scheinen mit Kopfhörern auf die Welt gekommen zu sein. Es ist nicht auszuschließen, dass jahrelanger Missbrauch beim Hören besonders lauter Musik zu Hörschäden geführt hat.
Bevor man also einem Schüler eventuelle Hörverständnisdefizite bescheinigt, sollte man zuerst einmal seine Hörfähigkeit überprüfen1.

2. Das Gehörte verstehen

Zum Verstehen des Inhalts einer gesprochenen Sequenz muss das Gehirn Schwerstarbeit leisten: Es muss die Lautketten eines Satzes in Teile aufgliedern, den Einzeleinheiten der Wörter im Zusammenhang mit den Funktionssignalen (s, 's, s', -ses, -ed, the, a(n) usw.) Sinn entnehmen und im Satzzusammenhang Sinn geben. Dazu kommen dann noch die Satz übergreifenden Signale, die den Satz-Sinn bestätigen oder verändern können.

Diese Leistung kann das Gehirn nur dann erbringen, wenn es optimal funktioniert, das heißt, wenn es optimal aktiviert und kalibriert ist.
Ist es das nicht immer? Nein, leider nicht, wie man an einfachen kinesiologischen Übungen erkennen kann.
Die linke Gehirnhälfte ist schwerpunktmäßig zuständig für das Rationale - Logik, Verstand, Lesen, Schreiben, Mathematik, Ursache und Wirkung, Analyse, linear und zeitlich begrenzt. Die rechte Gehirnhälfte ist schwerpunktmäßig mehr mit dem Emotionalen befasst - Kreativität, Phantasie, Intuition, Synthese, Sprachverarbeitung, zeitlos und ganzheitlich. (Bei Linkshändigkeit kann die Verteilung auch umgekehrt sein) Linke und rechte Hirnhälfte müssen über den Hirnbalken (das Corpus Callosum) miteinander in Kommunikation stehen, sonst hört man zwar das Wort, kann ihm aber keinen Sinn zuordnen oder hat eine bildliche Vorstellung, kann sie aber nicht benennen.

Um beide Gehirnhälften anzuschalten (oder zu überprüfen, ob sie angeschaltet sind), zeichnen die Schüler mit dem rechten Arm, dann mit dem linken Arm, dann mit beiden Armen die liegende Acht nach.

Es ist wichtig, dass die Schüler von der Mitte aus nach rechts oben beginnen, dann den Kreis zurück zur Mitte ziehen, um dann nach links oben fortzufahren und den Kreis nach links unten und wieder zur Mitte zurück zu zeichnen.

Schüler, bei denen die beiden Gehirnhälften nicht synchron laufen, werden entweder die Richtung ändern und/oder die Kreise nicht vollständig nachziehen können. Eine an die Tafel gezeichnete liegende Acht mit bunter Kreide nachzuzeichnen, wäre ein Hilfsmittel für diejenigen, die Schwierigkeiten haben, um die Gehirnhälften und damit die Ohren anzuschalten. Weitere kinesiologische Übungen findet man bei "EK für Kinder: Das Handbuch der Edu-Kinestetik für Eltern, Lehrer und Kinder jeden Alters Taschenbuch von Paul E Dennison (Autor), Gail Dennison (Autor), Elisabeth Kaiser (Illustrator) Mai 2014

Klassische Musik kann auch helfen das Gehirn anzuschalten

Wenn die Hörfähigkeit überprüft und Gehirn sowie Ohren angeschaltet sind, kann der Text zum ersten Mal vom Tonträger präsentiert werden. Sollten dann immer noch die Hilferufe der Schüler durchs Klassenzimmer schallen "Ich verstehe kein Wort! Das ist zu schnell!" greift der Lehrer zur paradoxen Intervention oder zur Symptomverschreibung und zu Reframing.

3. paradoxe Intervention

Statt nun - wie von den Schülern erwartet - das Vorspielen vom Tonträger aufzugeben und als Lehrer den Text selbst mit verminderter Geschwindigkeit vorzutragen, stoppt der Lehrer die Tonwiedergabe, und gibt den Auftrag zu versuchen ein einziges Wort in dem folgenden Text zu verstehen. Allerdings wird der Text bei doppelter Geschwindigkeit2 abgespielt.

Dies hat mehrere Gründe:

   Das Verhalten "Ich verstehe kein Wort!" wird in einen neuen Rahmen gesetzt (Reframing)

   Der Schüler hat Recht, das Sprechtempo ist bei weitem zu hoch.

   Es wird nicht erwartet, dass die Schüler alles verstehen, ein Wort reicht schon.

   Statt von vornherein Widerstand gegen das Hörverstehen zu entwickeln, strengen sich die Schüler an, ihre Aufmerksamkeit auf das verstehen eines einzigen Wortes zu richten. Dieses Ziel müsste doch zu schaffen sein, oder ?

   Wenn die Schüler das Ziel ein Wort zu verstehen bei doppelter Sprechgeschwindigkeit erreichen, sollten sie bei normaler Sprechgeschwindigkeit wohl mehr verstehen können. Wenn nicht spielt es auch keine Rolle, denn der Übungszweck wird auf jeden Fall erreicht - Die Ohren haben sich auf die höhere Sprechgeschwindigkeit eingestellt.

   die Wirkung zeigt sich sofort, wenn der Text bei normaler Sprechgeschwindigkeit nochmals abgespielt wird - er erscheint nun viel langsamer gesprochen als beim ersten Vorspielen.

   Die Blockade ist gebrochen, die Schüler verstehen mehr und lassen sich leichter auf das Hörverstehen ein.

   Der Satz "Ich verstehe kein Wort!" wird zu "Wow, ich verstehe ja Einiges." (Reframing)

Nun ist der Boden bereitet um Hörverstehensvorübungen einzusetzen.

Schließlich kommt erschwerend noch hinzu, dass das nur auditiv dargebotene Material ohne Unterstützung von Mimik, Gestik, Körperhaltung aufgenommen werden muss - eine zusätzliche Schwierigkeit, die sonst nur noch in Radiosendungen und Telefongesprächen vorkommt.




1 Dazu kann man ein kleines Wettspiel veranstalten:

      

   Die Klasse stellt sich in Reihen mit gleicher Schüleranzahl hintereinander auf.

   Vor jeder Reihe steht ein Tisch mit einem Blatt Papier und einem Stift.

   Auf dem Blatt stehen die Nummern 1 - x entsprechend der Anzahl der Schüler in einer Reihe.

   Der Lehrer steht in der linken hinteren Ecke der Klasse und sagt in immer gleicher mittlerer Lautstärke eine Zahl.

   Sobald der vorderste Schüler einer jeden Reihe die Zahl gehört hat, läuft er zu dem vor ihm stehenden Tisch und schreibt die Zahl unter 1. hin, läuft wieder zurück und stellt sich hinten in seiner Reihe wieder an.

    Sollte ein Schüler eine Zahl nicht verstanden haben, macht er auf dem Blatt einen Strich, ohne das Spiel zu unterbrechen oder Rückfragen zu stellen.

   So geht es weiter bis alle dran waren und der erste Schüler wieder vorne steht.

   Er geht nun hin und zählt alle Zahlen zusammen. So kann man schnell feststellen, in welcher Gruppe Hörschwierigkeiten aufgetreten sind. Der Lehrer merkt sich den Namen der betreffenden Schüler.

   Beim nächsten Durchlauf werden natürlich die Zahlen geändert und der Lehrer steht nun in der rechten hinteren Ecke der Klasse. Es ist sinnvoll, wenn sich der Lehrer die Zahlenreihen für sich selbst notiert.

   Die Schüler, die Schwierigkeiten hatten, werden notiert und in der Pause einzeln wegen ihrer Hörfähigkeit befragt, eventuell einem weiteren Test unterzogen und im Zweifelsfall gebeten Mit ihren Eltern einen Ohrenarzt aufzusuchen.




2 Jeder Text auf dem Computer läßt sich leicht von 1% bis 400% beschleunigen
mit dem Freeware Open Source Programm "Audacity", das man kostenlos aus dem
Internet herunterladen kann. Hierzu kopiert man den Originaltext,
als neue Datei, wählt diese dann bei Audacity aus und verändert sie unter
"Effekt", "Tempo ändern".Bevor man den Text speichert, kann man ihn sich anhören
und jede beliebige Sprechgeschwindigkeit auswählen.


Klaus F. Maas 2014 ©

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