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Oswald Opahle: Kurze Unterrichtslehre im Sinne ganzheitlicher Unterrichtsauffassung,
Freiburg im Breisgau Herder 1934

Ein Blick zurück in die Zukunft

"Die Pädagogik der Gegenwart und der letzten Vergangenheit zeichnet sich durch große Aufgeschlossenheit gegenüber allen Reformen aus. Sie hat eine Fülle neuer Aufgaben in Angriff genommen, hat neue Wege zu alten Aufgaben aufgezeigt und die Forderung, daß der Lehrer mit dem Herzen unterrichten soll, wiederum zur Geltung gebracht. Sie ist zur Selbstkritik außerordentlich geneigt und gern bereit, alles Neue anzunehmen und zu erproben.

So begrüßenswert diese Aufgeschlossenheit ist, und so sehr sie auch zur Förderung der pädagogischen Probleme beigetragen haben mag, so beklagenswert ist die sich dabei zeigende Unsicherheit. Es hat den Anschein, als ob in diesen Reformbestrebungen keine einheitliche Linie, kein bleibender Kern wäre. Wenn auch einzelne Persönlichkeiten von einer einheitlichen Überzeugung durchdrungen sind, so gibt es doch zahlreiche Erzieher, die zu einer solchen, angesichts der Vielgestaltigkeit unserer pädagogischen Bestrebungen nicht kommen können. Diese Unsicherheit im pädagogischen Denken wirkt sich auch im pädagogischen Handeln aus, so daß die Ergebnisse der Unterrichtstätigkeit darunter leiden und nicht dem Aufgebot an Arbeit und an ideal gerichtetem Willen entsprechen. Infolgedessen werden sogar Stimmen laut, die die Abkehr von allen Reformbestrebungen und die Rückkehr zu den früheren Anschauungen und festen Regeln fordern, weil damit auch vielen Irrwegen und fruchtlosen Versuchen der Boden entzogen wäre.

Eine solche Rückkehr zur früheren Unterrichtspraxis ist aber nicht möglich. Wenn in der Zeit vor den Unterrichtsreformen vieles mit gutem Gewissen getan wurde, was einer strengen pädagogischen Kritik nicht standhalten kann, so sind solchen Verfahren durch die Fortschritte der Grundwissenschaft der Pädagogik die Unterlagen entzogen worden. Ein bloßes Zurückgehen zum Alten läßt sich mit den heutigen pädagogischen Anschauungen nicht vereinen. Es würde keinen Rückhalt in der Überzeugung der Erzieher finden und schon aus diesem Grunde zum Mißerfolg verurteilt sein. Der Lehrer braucht für seine Tätigkeit unbedingt das Bewußtsein von der Richtigkeit dessen, was er tut, sonst kann er nicht seine ganze Persönlichkeit für seine Aufgabe einsetzen; und daß er in der Gegenwart so schwer zu einer Gewißheit gelangt, daß er durch die wechselnden Meinungen so unsicher geworden ist, darin liegt das Bedenkliche und Gefährliche der augenblicklichen Lage der pädagogischen Praxis.....

In der Zeit übersteigerter Reformfreudigkeit würde ein Ruf nach wissenschaftlicher Prüfung kaum Gehör gefunden haben, während heute sich schon eher die Meinung geltend machen kann, daß ein langsames Fortschreiten an Hand wissenschaftlicher Überlegungen besser ist als ein noch so gut gemeintes Reformieren auf bloße Einfälle hin, das dann vielfach ein Jagen nach Neuem um des Neuen willen, ein unkritisches Aufnehmen und verwerfen von allem, was sich an Reformen anbietet, zur Folge hat.

Am besten läßt sich das Bedenken gegen die theoretische Fundierung der Reformen dadurch überwinden, daß man zeigt, inwiefern die Ergebnisse der pädagogischen Grundwissenschaften in der Tat zum besseren Verständnis der pädagogischen Praxis beitragen. Andrerseits könnte man aus einer nicht ganz unbegründeten Skepsis heraus Bedenken haben, ob man die pädagogische Praxis ohne weiteres den Schwankungen der wissenschaftlichen Meinungen ausliefern darf. Vor allem besteht, wie die Erfahrung lehrt, die Gefahr vorzeitiger Verallgemeinerung dann, wenn man sich mit dem Schein der Wissenschaftlichkeit begnügt und geringschätzig auf einfache, aber tiefe Überlegungen herabblickt, die sich nicht in das Gewand der Wissenschaftlichkeit zu kleiden vermögen. Es ist begreiflich, daß der Praktiker vor solcher Wissenschaftlichkeit eine berechtigte Scheu hat. ....


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